WUTTKE ERWÜRGT DEN WÜRGEENGEL – ORF

Burg: Wuttke erwürgt den „Würgeengel“

Mit großen Erwartungen hat man der gestrigen Wiener Premiere von Martin Wuttkes Bunuel-Bearbeitung „Nach der Oper. Würgeengel“ entgegengesehen, die der Schauspieler und bekannte „Tatort“-Kommissar in Anlehnung an Luis Bunuels Film „Der Würgeengel“ (1962) recht freihändig fürs Theater bearbeitet hat.

Das Szenario einer in einer Dauer-Soiree feststeckenden Gesellschaft löste Wuttke mit großer Starbesetzung und Hereinnahme von Wagners Tristan-Stoff klanglich und auch bildlich im Casino am Schwarzenbergplatz opulent auf.

Alleine, der Abend wurde in knapp drei Stunden das, was der Untertitel in Teilen versprach: eine masochistische Komödie, in der das Publikum zwischen projizierten Hintergrundfilmen und Dialogen über das Verhältnis von Mythos, Kunst und Realität auch schwer mit noch schwerer werdenden Augenliedern zu kämpfen hatte: Zu viel Text- und Theorielast lag über dem Surrealismus der Szenerie.

Eine Gesellschaft steckt fest
„Niemand geht vor dem letzten Ton“, ruft Ignaz Kirchner als Edmondo aus. Die Gesellschaft steckt an dem Abend nach der Opernpremiere fest. Aus einem unerklärlichen Grund kann sie sich nicht auflösen und verkrallt sich immer mehr in sich.

Im überbordenden Szenario einer schicksalhaften Zusammenkunft kann an diesem Abend nur die musikalische Umsetzung unter Arno Waschk und vier zwischen Wagner und Schönberg brillierenden Sängerinnen und Sängern, Agnes Palmisano, Martin Mairinger, Duccio Dal Monte und Hege Gustava Tjönn, überzeugen.